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Die Pointe des Holztransports in früheren Zeiten

Thomas Eißing: Kirchendächer in Thüringen und dem südlichen Sachsen-Anhalt. Dendrochronologie – Flößerei – Konstruktion

In vergangenen Jahrhunderten, als das terrestrische Verkehrsnetz noch nicht so ausgebaut war wie heute, stand man vor einem grundlegenden Problem: Wie bekommt man große Mengen Holz aus den (oft gebirgigen und unwegsamen) waldreichen Gegenden in die Gebiete, wo ebendieses Holz zu verschiedensten Zwecken gebraucht wurde? Die Pointe war die Flößerei, also der Transport auf dem Wasserweg unter Nutzung der vorhandenen Höhenunterschiede. Angesichts des enormen Holzbedarfs, den der Städtebau, aber auch frühe Industrien wie das Salinenwesen aufwarfen, arbeiteten zahlreiche Menschen in diesem Berufszweig, und es entwickelte sich eine umfangreiche kulturelle Tradition, aber auch ein spezielles Know-how.

Diese Flößereitradition mit all ihren technischen und kulturellen Elementen ist von der UNESCO nunmehr zum Immateriellen Welterbe ernannt worden, und zwar in den Ländern Deutschland, Lettland, Österreich, Polen, Spanien und Tschechien, die eine gemeinsame Bewerbung eingereicht hatten – trotz diverser Unterschiede in einigen Komponenten bleiben bestimmte Grundprinzipien immer gleich, so dass eine gemeinsame Basis besteht, die sich dann in den einzelnen Ländern jeweils spezifisch ausprägt und auch in Ländern wie Deutschland, wo heute keine Flößerei auf Wirtschaftsbasis mehr stattfindet, von zahlreichen engagierten Menschen als Tradition weiter gepflegt wird.

Ein Wirtschaftszweig, für den die Flößerei eine Grundvoraussetzung bildete, war der Kirchenbau. Speziell für die Dachwerke wurde Langholz in größeren Mengen und guter Qualität benötigt, das etwa im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit effektiv kaum anders als eben mit den Mitteln der Flößerei über große Strecken transportierbar war. Thomas Eißing erzählt in seinem großen zweibändigen, vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie herausgegebenen Buch „Kirchendächer in Thüringen und dem südlichen Sachsen-Anhalt. Dendrochronologie – Flößerei – Konstruktion“, was man aus den alten Flößerzeichen an den Balken heute noch lernen kann und wie wann wo welches Holz verbaut worden ist – eine spannende Erkundung im Feld der mitteldeutschen Baugeschichte!

 

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