Von der DDR bis Japan

Die Karriere der Jugendkantorei des Wurzener Domes umfasst einige eher ungewöhnliche Aspekte. Zu DDR-Zeiten einen kirchlich angebundenen Jugendchor zu gründen war auch in den 1980ern, als schon etliche Dinge möglich waren, die in den Jahrzehnten zuvor auf starken Gegenwind gestoßen wären, durchaus kein alltägliches Ereignis. Das 1986 ins Leben gerufene Ensemble dann nach der politischen Wende nicht nur beisammenzuhalten, sondern auch kontinuierlich zu erneuern, wie es für einen Jugendchor üblich ist, stellte eine doppelt schwere Aufgabe dar, da die Kleinstadt Wurzen trotz ihrer Nähe zu Leipzig nicht gerade zu den wirtschaftlich wie strukturell prosperierenden Orten zählt und unter einem beträchtlichen „Brain Drain“ leidet. Keine Selbstverständlichkeit war auch der jüngste Markstein: Als sich der Ensemblegründer, KMD Johannes Dickert, in den Ruhestand verabschiedete, wurde nicht etwa auch die Jugendkantorei aufgelöst, sondern Dickerts Amtsnachfolgerin als Kirchenmusikerin am Wurzener Dom, die gebürtige Japanerin Kaoru Oyamada, wurde auch die neue Leiterin des Chores und führt diesen erfolgreich in die Zukunft.

Das 40-jährige Bestehen der Jugendkantorei bildet den Hintergrund für ein Festwochenende. Für die Öffentlichkeit bestimmt sind dabei das Festkonzert am 26.9.2026 um 17.00 Uhr im Wurzener Dom und der Festgottesdienst am 27.9.2026 um 10.00 Uhr an gleicher Stelle. Wer nicht dabei sein kann, den Chor aber trotzdem hören möchte, kann das anhand etlicher CD-Aufnahmen tun. Unter dem Titel „Magnificat“ etwa beweist die Kantorei, dass man auch als an einer evangelischen Kirche angebundenes Ensemble einen Zugang zum oft eher katholisch determinierten Thema der Marienfrömmigkeit finden kann.

Wir gratulieren der Jugendkantorei des Wurzener Domes herzlich zum Jubiläum und wünschen noch viele Jahre segensreichen Schaffens!

 

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