Talent Monument für Kunst in Pflege

„Talent Monument“ lautet das Motto des diesjährigen Tages des offenen Denkmals, der alljährlich am zweiten Sonntag im September Hunderttausende Besucher in sonst nicht zugängliche Zeugnisse der Baukultur vergangener Jahrhunderte lockt. Dabei ist der Titel vielschichtig zu interpretieren: Vielen herrschaftlichen Bauten wird niemand das Talent der Beteiligten absprechen wollen – bei Zeugnissen der Alltagskultur, die unter Denkmalschutz gestellt werden sollen, sieht das aber bisweilen anders aus. Aber der Begriff „Talent“ besitzt noch eine andere Ebene, nämlich in Gestalt der Frage: Wie hat ein Bauwerk das Talent, uns von der Welt vorausgegangener Generationen zu berichten? Und in Antwort auf diese Frage ergibt es dann auch Sinn, beispielhaft auch einzelne Bauernhäuser oder aber ein Objekt wie die ehemalige Bezirksparteischule der SED in Erfurt unter Denkmalschutz zu stellen, um sie in ihrem geschichtlichen Zeugniswert für künftige Generationen zu erhalten.

 

Bei den allermeisten Kirchenbauten steht die Frage der Denkmalwürdigkeit auch in breiten Kreisen der Öffentlichkeit außer Diskussion, was auch auf viele Kunstwerke im Inneren der Kirchengebäude zutrifft. Nichtsdestotrotz erfordern beide, Gebäude wie Ausstattung, von den Trägern oft gewaltige Kraftanstrengungen bei ihrer pflegerischen Erhaltung und, wo nötig, Restaurierung. Gerade letztere Maßnahmen erweisen sich oft als hochkomplex und benötigen das konstruktive Zusammenarbeiten verschiedener Fachleute vom Bauforscher bis zu den Restauratoren selbst. „Kunst in Pflege. Exemplarische Erforschung und Restaurierung bedeutender Denkmale in Thüringen 1999–2023“ heißt denn auch die justament erschienene neue Publikation des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, die einige solcher Projekte aus den letzten Jahrzehnten auf 360 reich bebilderten Seiten vorstellt – vom Cranach-Altar in der Johanniskirche in Neustadt an der Orla über das Epitaph für Christoph von Entzenbergk in der als Johann Sebastian Bachs Traukirche bekannt gewordenen Bartholomäuskirche in Dornheim bis hin zu den Glasmalereien in der Augustinerkirche in Erfurt, einer der wichtigsten Wirkungsstätten Martin Luthers. Viele von ihnen können besichtigt werden – am Tag des offenen Denkmals, aber oft auch darüber hinaus. Und sie alle lohnen die Entdeckung ihrer Talente.

 

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