Jenseits des Chronisten
Wer sich mit der Geschichte des Gewandhauses und des zugehörigen Orchesters befasst, dem ist der Name Alfred Dörffel wie selbstverständlich vertraut, und seine beiden Schriften zu besagter Geschichte genießen noch heute den Rang bedeutender Nachschlagewerke. Was Dörffel im Laufe seiner achteinhalb Lebensjahrzehnte noch so tat, steht heute weit weniger im Fokus. Das ändert sich punktuell justament. Dörffel hatte eine Affinität zum Werk von Hector Berlioz, die sich am deutlichsten darin zeigte, dass er dessen „Instrumentationslehre“ ins Deutsche übersetzte. Berlioz hatte aber auch die Oper „Orpheus“ von Christoph Willibald Gluck bearbeitet, und Dörffel schuf von dieser Bearbeitung eine Fassung für die deutschen Bühnen, die wiederum von Berlioz sehr geschätzt wurde. Ebenjene Fassung hat das Barockorchester der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach ausgegraben und führt sie im Rahmen der Gluck-Festspiele 2026 zweimal auf: am 17. Mai in Nürnberg und am 22. Mai in Bayreuth. Wer dort nicht dabei sein kann, hat am 4. Juli eine weitere Chance, wenn das Ensemble diese Oper im heimischen Ekhof-Theater in Gotha spielt. Die Leitung hat Michael Hofstetter, in der Titelpartie ist Valer Sabadus zu hören
Natürlich ist auch damit das Wirkungsfeld von Alfred Dörffel keineswegs erschöpfend beschrieben. Wer dieses umfangreich erkunden will, hat im Buch „Alfred Dörffel (1821–1905). Ein Leipziger im Dienste der Musik“ von Klaus Burmeister die Gelegenheit dazu.
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