Der vergessene Spätromantiker und die Apokalypse
Zum „Musikland Ungarn“, wie die diesjährigen 56. Merseburger Orgeltage überschrieben sind, gehört auch der heute weitgehend vergessene spätromantische Komponist Franz Schmidt, geboren 1874 im zur damaligen k.u.k.-Monarchie gehörenden Preßburg und durch seine ungarische Mutter, eine hervorragende Pianistin, musikalisch geprägt. Das Abschlusskonzert der Orgeltage bietet nun das äußerst selten aufgeführte Oratorium „Das Buch mit sieben Siegeln“, textlich die Apokalypse behandelnd, von Schmidt 1937 vollendet und am 15.6.1938, kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs, in Wien uraufgeführt. Unter Leitung von Jörg-Peter Weigle musizieren nun am 20.9.2026 um 18 Uhr im Dom zu Merseburg Solisten, der Slowakische Philharmonische Chor Bratislava, die Anhaltische Philharmonie des Anhaltischen Theaters in Dessau und Michael Schönheit an der Ladegast-Orgel.
In seiner Zeit als Chefdirigent des MDR Sinfonieorchesters hatte Fabio Luisi bereits Aktivitäten entfaltet, um Schmidts sinfonische Werke der Vergessenheit zu entreißen. Neben den vier Sinfonien ist auch „Das Buch mit sieben Siegeln“ im Rahmen der MDR Edition auf CD erhältlich – und Michael Schönheit saß auch damals schon an der Orgel, in dem Falle der Schuke-Orgel im Gewandhaus zu Leipzig.