Der Patriarch und sein Vertoner

1607 in Gräfenhainichen geboren, studierte Paul Gerhardt in Wittenberg Theologie, interessierte sich aber auch für die Dichtkunst und begann, diese zu praktizieren. Sie half ihm, die sich vor seinen Augen abspielenden Schrecknisse des Dreißigjährigen Krieges zu überwinden, und bildet letztlich die Hauptursache für das Fortleben seines Namens bis heute. Als Hauslehrer und späterer Pfarrer in Berlin tätig, kam Gerhardt mit dem dortigen Nikolaikantor Johann Crüger in engen Kontakt. Letztgenannter hatte 1640 sein „Newes vollkömliches Gesangbuch Augsburgischer Konfession“ herausgegeben, das ab der 2. Auflage 1647 den Titel „Praxis Pietatis Melica“ trug, und in jede Neuauflage der folgenden Jahre nahm er immer mehr neu von ihm vertonte Gerhardt-Texte auf – in der 5. Auflage von 1653 waren bereits 82 von ihnen vertreten. Johann Georg Ebeling, der nach Crügers Tod 1662 neuer Nikolaikantor wurde, setzte die Herausgabe von Gerhardts Werken fort. Gerhardt selbst geriet in die Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Calvinisten im Brandenburgischen und wechselte, nachdem er in Berlin als Pfarrer entlassen worden war, ins damals zu Kursachsen gehörende Lübben, wo er seine letzten Pfarrdienstjahre an der dortigen Nikolaikirche verbrachte, die später zu seinen Ehren in Paul-Gerhardt-Kirche umbenannt wurde. In Lübben galt damals noch der Julianische Kalender, und nach diesem starb Gerhardt am 27.5.1676, was auf den Gregorianischen Kalender umgerechnet der 6.6. ist. Man kann sich heute also aussuchen, an welchem der Tage man ihm gedenkt – oder man tut es an beiden.

Der Alte-Musik-Experte Holger Eichhorn hat Paul Gerhardt als einen der beiden Patriarchen protestantischer Kirchenlieddichtung bezeichnet – der andere ist selbstredend Martin Luther. Und so wie Luther mit Johann Walter einen Mann an seiner Seite wusste, der sich um die Popularisierung von Liedtexten in musikalischer Form zu kümmern wusste, so war es bei Gerhardt mit Johann Crüger. Eine Auswahl von Crügers „ConcertChorälen“ aus deren ersten beiden Teilen von 1649 bzw. 1657 bietet Eichhorns CD „Wach auff mein Hertz und singe“, und natürlich sind auch Texte von Paul Gerhardt in der Auswahl vertreten, etwa gleich das eröffnende Titelstück, das wie 25 andere aus seiner Feder noch heute im Evangelischen Gesangbuch steht. Anlässlich seines 350. Todestages ist ein Gedenkjahr ausgerufen worden, das in einer Festwoche in seinem letzten Wirkungsort Lübben kulminiert.

Zur Website der Paul-Gerhardt-Woche Lübben

 

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